In Solid Edge bezeichnet ein Vorkommnis eine einzelne Instanz eines Bauteils innerhalb einer Baugruppe. Wenn Sie also ein Teil mehrfach in einer Baugruppe verwenden, existiert das Modell selbst nur einmal – aber jede Platzierung davon ist ein eigenes Vorkommnis.

Die Eigenschaften der Vorkommnisse können Sie über einen Dialog aufrufen. In den Eigenschaften verwalten Sie Informationen und Einstellungen, die nur für diese eine Instanz gelten, nicht für das zugrunde liegende Bauteil.

 

Warum ist das wichtig?

Diese Funktionen werden unserer Ansicht nach nicht oft genug im Alltag von Solid Edge Usern eingesetzt, dabei sind sie ein zentrales Werkzeug für ein effizientes Assembly Management.

1. Gleiche Teile, unterschiedliche Darstellung
Sie können ein Bauteil mehrfach verwenden, aber einzelne Instanzen farblich hervorheben, z. B. für Montageanleitungen.

2. Varianten ohne zusätzliche Dateien
Sie können Instanzen unterdrücken, anders positionieren oder anders darstellen, ohne neue Dateien anzulegen.

3. Saubere Stücklisten
Sie steuern, ob ein Vorkommnis in der BOM erscheint. Ideal für Referenzteile oder Montagehilfen.

4. Bessere Kontrolle in großen Baugruppen
Gezielte Darstellungsänderungen erleichtern die Navigation und verbessern die Performance.

5. Flexible Dokumentation
Für Explosionsansichten, Zeichnungen oder Animationen können Sie Instanzen individuell anpassen, ohne das Bauteil selbst zu verändern.

 

Was können Sie in den Eigenschaften der Vorkommnisse einstellen?

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige interessante Funktionen und Möglichkeiten vor, die für die effektive Arbeit im Assembly nützlich sind. 

In unserem Beispiel verwenden wir eine Baugruppe mit 2 Ventilgehäusen.


Beispiel Ventilgehäuse

 


Die Eigenschaften der Vorkommnisse können Sie über den Pathfinder aufrufen und bearbeiten: Rechtsklick auf das Bauteil bzw. die Baugruppe -> „Eigenschaften der Vorkommnisse“

Aufrufen der „Eigenschaften der Vorkommnisse“



Es öffnet sich die Gesamtübersicht der Vorkommnisse als Tabelle:

Vorkommnistabelle



Funktionen in der Vorkommnistabelle kurz erklärt

 

Platzierungsname / Dateiname – kontextbezogene Instanz-Benennung

Diese Felder dienen der Identifikation und Benennung einzelner Bauteil-Instanzen innerhalb einer Baugruppe.

Dateiname:
Dies ist eine reine Anzeige-Eigenschaft. Sie zeigt den tatsächlichen Namen der Datei auf der Festplatte. Dieser Wert kann in diesem Dialog nicht geändert werden, da er fest mit dem Dokument verknüpft ist.

Platzierungsname:
Dies ist der Name, unter dem das Bauteil im PathFinder der Baugruppe erscheint. Standardmäßig entspricht er dem Dateinamen, ergänzt um eine Instanz-Nummer

  • Sie können diesen Namen manuell überschreiben, um Instanzen besser zu unterscheiden (z. B. „Halterung Ventilgehäuse“).
  • Eine Änderung hier benennt nicht die Datei auf der Festplatte um, sondern nur die Bezeichnung innerhalb dieser spezifischen Baugruppe.

 

Vorkommnistabelle: Platzierungsname vs. Dateiname

 

Benutzerdefiniert Menge / Menge – manuelle Stücklisten-Steuerung

Hier können Sie die benutzerdefinierte Menge von „Nein“ auf „Ja“ umstellen und so die Anzahl der Teile, die in der Stückliste erscheinen sollen, ändern.

Beispiel: An einer Flanschverschraubung genügt es, nur eine Verschraubung zu erzeugen, um dann über „Menge“ die Anzahl der Schrauben, Scheiben, Muttern etc. zu definieren – ohne diese wirklich eingebaut zu haben.

Das sieht dann so aus – Das erste Ventilgehäuse ist dann nur einmal verbaut, das zweite Ventilgehäuse einmal verbaut, jedoch 10 mal berechnet:

 

Benutzerdefinierte Mengenangabe in der Stückliste

 


 

Solid Edge Webinare

 

 

Verschiebung / Drehung – präzise positionelle Steuerung

Über die Felder für Verschiebung (X, Y, Z) und Drehung (X, Y, Z Grad) werden die exakte räumliche Lage einer Komponente relativ zum Ursprung der Baugruppe gesteuert.

Voraussetzung: Diese Felder sind nur dann manuell editierbar, wenn das Bauteil fixiert ist oder keine einschränkenden Montagebeziehungen (wie "Anpassen" oder "Planar ausrichten") besitzt, die die Position bereits fest definieren.

Das sehen wir am besten an einem Beispiel:

Zunächst platzieren wir ein zweites Ventilgehäuse an dieselbe Position, indem wir während der Platzierung die STRG-Taste gedrückt halten.

 

Weiteres Bauteil auf Nullpunkt einfügen

 

 

In der Tabelle für die Eigenschaften der Vorkommnisse sehen wir die Verschiebungen (1) und die Drehungen um die Achsen (2).

Verschiebung und Drehung



Hier die Bauteile in ihrer Ausgangsposition:

Bauteile in Ausgangsposition

 

Hier die Bauteile nach der Verschiebung:

Bauteile nach dem Verschieben

 

 

Hier die Bauteile nach einer Drehung:


Bauteil nach einer Drehung

 

 

Auswählbar – Bessere Übersicht in großen Baugruppen

Diese Einstellung definiert, ob eine Komponente direkt im Grafikfenster angeklickt und ausgewählt werden kann. Sie ist besonders hilfreich in großen Baugruppen, um Hintergrundkomponenten oder Referenzmodelle sichtbar zu halten, ohne dass sie beim eigentlichen Konstruktionsprozess im Weg stehen.

Beispiele: Wenn Sie z. B. mit der Maus über ein Bauteil fahren und dieses immer gehighlightet wird oder wenn Sie einem Assembly arbeiten möchten, das von einem Gehäuse verdeckt wird. Sie benötigen das Auswahlwerkzeug „QuickPick“ nicht mehr, um Teile hinter dem Gehäuse auszuwählen.

Wenn Sie den Wert in der Vorkommnistabelle auf „Nein“ setzen, wird das Teil zwar weiterhin angezeigt, reagiert aber nicht auf Mausklicks im 3D-Modell. Das ist nützlich, um versehentliche Änderungen an fixierten oder rein informativen Komponenten zu verhindern.

Auch wenn ein Teil als „nicht auswählbar“ markiert ist, kann es dennoch weiterhin über den PathFinder ausgewählt und bearbeitet werden.

Das Bauteil wird hervorgehoben, wenn die Einstellung „Auswählbar“ auf „Ja“ gesetzt ist:

„Auswählbar“ auf Ja eingestellt: Bauteil wird gehighlightet

 

Das Bauteil wird nicht hervorgehoben, wenn die Einstellung „Auswählbar“ auf „Nein“ gesetzt ist:

„Auswählbar“ auf Nein gestellt: Bauteil wird nicht gehighlightet

 

Höhere Ebene – Steuern der Stücklisten-Strukturierung

Diese Einstellung steuert, ob Teile in der (Unter-)Baugruppe angezeigt werden, wenn sie in einer anderen (Ober-)Baugruppe eingebaut ist.


Aktiviert (Ja):
Die Unterbaugruppe wird als eine einzige Position behandelt. Die darin enthaltenen Einzelteile werden nicht auf der obersten Ebene angezeigt.


Einzelkomponenten der Unterbaugruppe werden nicht gelistet

 

Deaktiviert (Nein): Die Struktur wird "aufgelöst" und die in der Unterbaugruppe enthaltenen Einzelkomponenten werden direkt aufgelistet.


Einzelkomponenten der Unterbaugruppe werden gelistet.

 

 

Zeichnungsreferenz – Selektive Zeichnungsableitung

Mit der Einstellung „Zeichnungsreferenz“ kann voreingestellt werden, ob ein Bauteil in der Zeichnung automatisch als Referenzteil (in Phantomlinie, oder je nach Einstellung) dargestellt wird.

  • Ja: Das Bauteil oder die Unterbaugruppe wird in allen neu erstellten Zeichnungsansichten standardmäßig dargestellt und bei der verdeckten Kantenberechnung berücksichtigt.
  • Nein: Das Bauteil wird in der Zeichnung komplett ausgeblendet. Dies wird häufig für Hilfskonstruktionen, Platzhalter oder interne Komponenten verwendet, die zwar für die 3D-Berechnung (z. B. Masse) wichtig sind, aber die technische Zeichnung nicht überladen sollen.

Hier ist das Bauteil als Referenz dargestellt

 

 

 

Auszüge / Teileliste – Festlegen der Stücklisten-Relevanz

Soll z. B. ein Bauteil in der Stückliste nicht mit aufgeführt werden (z. B. wenn ein Boden oder ein Gebäude zur besseren Darstellung erzeugt worden ist) dann können Sie das mit dieser Einstellung lösen.

  • Ja: Das Bauteil wird in der Stückliste auf der Zeichnung sowie in externen Berichten (Reports) aufgeführt und mit seiner Menge gezählt.
  • Nein: Das Bauteil wird komplett aus der Stückliste und allen Mengenberechnungen ausgeschlossen. Dies wird häufig für Hilfskonstruktionen, Dummy-Teile oder Werkzeuge verwendet, die zwar im 3D-Modell zur Orientierung vorhanden sind, aber nicht bestellt oder gefertigt werden müssen.

Hier ist die Einstellung auf „Nein“ gesetzt und das Bauteil „Halterung“ erscheint nicht in der Stückliste:

Das Bauteil „Halterung“ erscheint nicht in der Stückliste

 

 

Zeichnungsansichten – 3D-Ansichtsfilterung

Hier gibt es die Möglichkeit voreinzustellen, ob ein Bauteil in der Zeichnung dargestellt werden soll.

  • Ja: Das Bauteil wird angezeigt, wenn Sie eine Zeichnungsansicht im 3D-Modell simulieren oder bearbeiten.
  • Nein: Das Bauteil wird in diesen Ansichten ausgeblendet. Dies wird oft genutzt, um in komplexen Baugruppen nur die für die jeweilige Zeichnungsableitung relevanten Teile im Grafikfenster zu sehen, ohne andere Teile manuell über den PathFinder ausblenden zu müssen.
;Ventilgehäuse in Zeichnungsansicht ausgeblendet

Physikalische Eigenschaften einbeziehen – Massenberechnung steuern

Diese Einstellung steuert, ob ein Bauteil bei der Berechnung der physikalischen Gesamtdaten der Baugruppe berücksichtigt wird.

  • Ja: Das Gewicht, das Volumen, der Schwerpunkt und die Trägheitsmomente des Bauteils werden in die Gesamtberechnung der Baugruppe eingerechnet.
  • Nein: Das Bauteil wird für die physikalische Analyse ignoriert.

Wenn die Einstellung auf „Nein“ gesetzt ist, wird in unserem Beispiel bei der Gesamtmasse die Halterung nicht mit eingerechnet.

In der Gesamtmasse ist die Halterung nicht mit eingerechnet.

 

Kollisionsanalyse – Gezielte Ergebnisbereinigung

Mit dieser Einstellungen legen Sie fest, ob bestimmte Bauteile in der Kollisionsanalyse mit einberechnet werden sollen oder nicht.

Durch das gezielte Deaktivieren (Einstellung: „Nein“) für bestimmte Bauteile wie Dichtungen oder Federn sorgen Sie dafür, dass das System nur echte, kritische Fehlkonstruktionen meldet.

 

Fazit

Die Eigenschaften der Vorkommnisse geben Ihnen die Möglichkeit, einzelne Instanzen von Bauteilen in Baugruppen präzise zu steuern, ohne das Originalmodell zu verändern. Sie profitieren von:

  • flexibler Darstellung
  • klarer Strukturierung
  • besserer Performance
  • sauberen Stücklisten

Für Sie als Solid Edge Anwender bedeutet das: mehr Kontrolle, weniger Dateichaos und deutlich effizienteres Arbeiten in Baugruppen. 

 

 

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