Wenn in einem Unternehmen mehrere unterschiedliche Versionen von Solid Edge oder diverse Zusatzmodule im Einsatz sind, dann taucht bei der Floating-Lizenzierung meistens folgendes Problem auf. Wer kann auf welche Version zugreifen oder welches Zusatzmodul nutzen?

Wenn keine Zuordnung erfolgt, dann geht das Ganze nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Hier zeigen wir Ihnen unterschiedliche Möglichkeiten auf, wie Sie die lizenzierten Produkte einzelnen Benutzern oder Benutzergruppen zuordnen können.

Aufbau einer Solid Edge Floating-Lizenzdatei

Die Lizenzdatei ist eine einfache Textdatei und somit mit jedem Texteditor zu bearbeiten. Sie besteht aus 3 Bereichen:

  1. Informationen zum Lizenznehmer
  2. Die eigentliche Lizenz, bestehend aus
    • Server-Informationen,
    • einer Auflistung der einzelnen lizenzierten Programmbestandteile, den sogenannten „Increments“,
    • dem Feature, welches Informationen zum Lizenznehmer und sonstige Informationen enthält.

  3. Informationen darüber, welche „Increments“, in welcher Anzahl mit dieser Lizenzdatei lizenziert sind.

Alle Zeilen, die mit dem Raute-Symbol (#) beginnen, enthalten lediglich Informationen und haben somit keinen Einfluss auf die Lizenzierung (also der erste und der dritte Teil der Lizenzdatei).

Die Lizenzierung erfolgt daher ausschließlich über den zweiten Teil.

Solid Edge Mustermann Lizenz

Abb. 1: Aufbau einer Floating-Lizenzdatei

 

In diesem Beispiel stehen insgesamt 18 Solid Edge Lizenzen zur Verfügung:

8 x Classic
5 x Foundation
5 x Premium

Diese 18 Lizenzen können nach dem oben genannten Prinzip verwendet werden.

Wissenswertes zur Solid Edge Floating-Lizenzierung

Wo liegen die Solid Edge Lizenzen?

a) Auf dem Server

Die Floating-Lizenzierung besteht aus 2 Komponenten:
Dem Lizenzdienst  „SEFlex“ auf dem Lizenz-Server und dem Arbeitsplatz mit Solid Edge. Auf dem Lizenz-Server im Ordner des „SEFlex“ liegt immer die komplette Lizenz.

b) Auf den Arbeitsplätzen

Auf dem Arbeitsplatz liegt die "SELicense.dat" im "preferences"-Ordner (ab der Version ST6) bzw. im "program"-Ordner (Vorgängerversionen der ST6) im Solid Edge Installationsverzeichnis.


Bei dieser Art der Lizenz-Datei gibt es 2 Möglichkeiten:

1. Lizenzdatei
Die erste Möglichkeit ist, die gleiche Lizenzdatei einzusetzen, die auf dem Lizenz-Server im „SEFlex“ eingebunden ist.

Solid Edge Lizenzdatei

Abb. 2: Auswahl einer Lizenzdatei

 

2. Server-Lizenz
Die zweite Möglichkeit ist die sogenannte Server-Lizenz. Diese enthält nur Informationen, wo die Lizenz abgefragt werden kann. Mit dieser Lizenz ist jedoch keine Leihlizenzierung möglich. Auch eine Zuordnen von Lizenzen zu einzelnen Nutzer ist nur über die Datei "selmd.opt" im „SEFlex“ möglich, da in dieser Lizenzdatei keine "Features" enthalten sind. Darauf gehen wir weiter unten näher ein.

Solid Edge Lizenzservername

Abb. 3: Auswahl des Lizenzservers

 

Solid Edge Server Lizenz

Abb. 4: Beispiel einer Server-Lizenz

 

Zuordnung der Solid Edge Lizenzen zu einzelnen Benutzern

Die erste Möglichkeit ist, die Lizenzdateien auf den jeweiligen Arbeitsplätzen so anzupassen, dass der Benutzer nur die ihm zugedachte/n Lizenz/en vom Server abrufen kann.

Allerdings ist dies auch die unflexibelste Variante, da die Lizenzen fest zugeordnet werden. Hier ist das Verhalten mit einer rechnergebundenen Lizenz (Nodelocked) vergleichbar.

Wenn für einen Benutzer die Classic-Lizenz zur Verfügung stehen soll, dann muss man nur in der Lizenzdatei auf seinem Rechner die Foundation und Premium "Increments“ aus seiner Lizenzdatei entfernen.

Solid Edge Mustermann Lizenz

Abb. 5: Lizenzdatei anpassen 

 

Sie müssen dabei darauf achten, dass die Anzahl der zugewiesenen Lizenzen auch mit den vorhandenen Lizenzen übereinstimmt.

Wenn, wie in unserem Beispiel, nur 5 Premium-Lizenzen zur Verfügung stehen, könnte  man natürlich auch mehr Lizenzen verteilen. Dann greift wieder das Prinzip  „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. In diesem Fall kann dann aber nicht auf eine niedrigere Lizenz zurückgegriffen werden.

Sie können es den Benutzern dann auch ermöglichen, Premium- und/oder Classic-Lizenzen abzurufen. Hierzu belassen Sie das Premium und das Classic "Increment" in der lokalen Lizenz-Datei.

Wenn einmal eine andere Solid Edge Lizenz benötigt wird

Wenn der Benutzer jedoch einmal eine andere Lizenz nutzen möchte, z. B. weil er für eine FEM-Berechnung anstatt der Foundation-Lizenz die Premium Lizenz benötigt, so muss hier eine Premium-Lizenz aktiviert werden. Das kann durch den Austausch der angepassten Lizenz-Dateien geschehen.

Sie können diese entweder manuell ersetzen, mit dem Lizenzdienstprogramm austauschen oder eine kleine "Batch"-Datei verwenden. Kenntnisse in der DOS-Programmierung (.bat/.cmd) sind hier natürlich Voraussetzung.

Beispiel für eine Befehlszeile einer solchen Batch-Datei:

xcopy c:\Lizenzen\Premium-Lizenz.dat C:\"Programme\Solid Edge ST7\Preferences"\SELicense.dat /y

Wir empfehlen, den Austausch mit dem Lizenzdienstprogramm dem manuellen Ersetzen vorzuziehen, da die Lizenz mit dem Lizenzdienstprogramm automatisch mit dem richtigen Namen am richtigen Ort gespeichert wird.

Hilfsprogramm für die Lizenzauswahl

Einfacher geht das Ganze mit dem Lizenzauswahl-Tool der PBU CAD-Systeme. Im dem Ordner, in dem das Lizenzauswahl-Tool liegt, werden angepasste und entsprechend benannte Lizenzdateien abgelegt (wie zuvor beschrieben).

Über das Tool kann dann der Benutzer schnell die benötigte Lizenz aktivieren.

Legt man das Tool zudem auf dem Server ab, so müssen die Lizenzen nur an einem Ort gepflegt werden. Der Aufruf des Lizenzauswahl-Tools kann einfach über einen Link auf dem Desktop gestartet werden.

Solid Edge PBU Lizenzauswahl Tool

Abb. 6: Lizenzauswahl-Tool der PBU CAD-Systeme

 

Solid Edge Lizenzen mit der Options-Datei "selmd.opt" zuweisen

Mit der Konfigurations-Datei "selmd.opt" kann man über den Lizenzdienst SEFlex die vorhandenen Lizenzen gezielt Benutzern oder Benutzergruppen zuweisen.

Allerdings kann das nur mit Zugang zum Lizenz-Server eingestellt oder zu geändert werden, d. h. von der IT oder einem CAD-Administrator mit entsprechenden Rechten.

Damit kann sehr eindeutig bestimmt werden, wer, welche und wie viele Lizenzen benutzen kann und darf.

Die vollständige Dokumentation zu diesem Thema finden Sie in der Datei "LicenseAdministration.pdf". Die Datei finden Sie auf der Solid Edge Installations-DVD im Verzeichnis
"E:\License Manager\FLEXlm User Guide"
(E:\ = Beispiel für ihr DVD-Laufwerk)

Im Folgenden werden die wichtigsten Möglichkeiten der Zuweisung aufgeführt und zum Teil in Beispielen dargestellt:

GROUP
Definiert eine Benutzergruppe um dieser Gruppe Optionen zuzuweisen
RESERVE
Reserviert Lizenzen für Benutzer oder Benutzergruppen
MAX
Begrenzt die die Anzahl der Lizenzen, die eine Benutzergruppe verwenden darf
EXCLUDE
Schließt einen Nutzer von der Benutzung eines Inkrementes aus
INCLUDE
Erlaubt einem Nutzer, ein Lizenz-Inkrement zu nutzen

 

Hier sehen Sie die Syntax und Beispiele der 3 wichtigsten Befehle:


GROUP
Syntax: GROUP  group_name  user_list

Beispiel:
GROUP    CAD    Müller Meier Schulze Jansen Dietrichs Klein Hansen
GROUP    FEM     Neumann Franke Berger
GROUP    AV      Peters Schmitz Hase

Hier werden 3 Gruppen definiert: CAD, FEM und AV.
Die Namen sind die Benutzernamen in der Domäne (Login-Namen).


RESERVE

Syntax: RESERVE num_lic feature[:keyword=value] type {name | group_name}

Beispiel:
RESERVE    5    solidedgeclassic    GROUP    CAD

Hier werden 5 Classic-Lizenzen für die Gruppe CAD reserviert.


MAX

Syntax: MAX num_lic feature[:keyword=value] type {name | group_name}

Beispiel:
MAX    3    solidedgeclassic    GROUP    CAD

Hier wird festgelegt, dass die Gruppe CAD maximal 3 Classic-Lizenzen nutzen kann.

Solid Edge selmd.opt

Abb. 7: Beispiel für eine komplexe Options-Datei

 

Die Gruppe FEM bekommt fest 4 Premium-Lizenzen zugeordnet - für jedes Mitglied eine (Zeile 5).

Die Gruppe CAD bekommt eine Premium- und 7 Classic-Lizenzen zugeordnet (Zeilen 6 und 7). Dem verbleibenden Nutzer steht dann noch eine Foundation-Lizenz zur Verfügung.

Die Gruppe AV kann maximal eine Classic- und 2 Foundation-Lizenzen nutzen (Zeilen 8 und 9). Nutzung der Premium-Lizenz ist ausgeschlossen (Zeile 11).

Die Gruppe Halle kann maximal 2 Foundation-Lizenzen nutzen (Zeile 10) und ist von Classic und Premium ausgeschlossen (12 und 13).



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